Diarrhoen

Durchfall (Diarrhö)

Als Durchfall (Diarrhö) wird Stuhl bezeichnet, der bei Erwachsenen mehr als dreimal täglich auftritt,in der Menge vermehrt und / oder dünn ist. Ursachen und Therapien

Was ist Durchfall?

Durchfall (Diarrhö) wird durch die Stuhlfrequenz und -beschaffenheit definiert. Schon im Normalfall ist beides von Mensch zu Mensch verschieden. Während der eine ständig mit Verstopfung kämpft oder froh ist, wenn er alle zwei Tage Stuhlgang hat, geht ein anderer täglich zu diesem Zweck zur Toilette. Besonders groß ist die Variationsbereite bei Babys: Fünfmal am Tag Stuhlgang bis einmal alle fünf Tage ein großes Geschäft sind ganz normal. Obwohl viele Betroffene überzeugt sind, Durchfall zu haben, erfüllt etwa ein dünner oder breiiger Stuhl allein noch nicht die Kriterien für einen krankhaften Durchfall. Voraussetzung ist, dass mehrfach am Tag – mindestens dreimal – Stühle verminderter Konsistenz entleert werden. Meistens ist das Stuhlvolumen und -gewicht dabei erhöht. Dünnflüssigen Stuhl kennt eigentlich jeder. Kommt Erbrechen dazu und geht es einem dabei allgemein nicht so gut, wird oft von einer „Magen-Darm-Grippe“ oder einem „Magen-Darm-Infekt“ gesprochen. So elend die Betroffenen dann oft wirken, so schnell sind sie meistens auch wieder auf den Beinen. Ein, zwei Tage Schonkost und viel trinken, und das Ganze ist ausgestanden. Doch es gibt auch schwerere Verläufe. Bei starkem Durchfall kann der Körper große Mengen Wasser, Salze und Verdauungssäfte über den Darm verlieren. Nährstoffe werden unzureichend aufgenommen. Ohne Behandlung besteht die Gefahr der Austrocknung (Dehydratation). Vor allem bei Älteren und Kindern kann es rasch dazu kommen und bedrohlich werden.

Wann muß ich zum Arzt?
Wenn Durchfall länger als drei Tage anhält, sehr ausgeprägt ist und den Betroffenen deutlich schwächt, muss ein Arzt hinzugezogen werden. Das gilt auch, wenn starke Bauchschmerzen, Fieber oder wiederholtes Erbrechen, wenn der Stuhl blutig ist, und natürlich umgehend bei Verdacht auf eine Vergiftung.

Akute Diarrhoe
Hinter dem plötzlich auftretenden und meist nur wenige Tage dauernden akuten Durchfall steckt fast immer eine Infektion mit Viren oder Bakterien. Ein Typisches Beispiel ist die Reisediarrhö. Ärztliche Untersuchungen erübrigen sich der Regel. Um vorzubeugen, hilft es, ein paar einfache Grundsätze zu beachten. So sollte es nach einem Besuch
auf der Toilette und vor dem Essen selbstverständlich sein, die Hände gründlich zu waschen. Um Infektionen über Lebensmittel zu vermeiden, sollten gerade im Sommer gutes Kühlen und Umgang mit Nahrungsmitteln sowie ausreichendes Erhitzen beim Kochen, Aufwärmen oder Einwecken die Regel sein.

Wie wird ein akuter Durchfall behandelt?
Bei einer akuten Diarrhö, die nur ein bis zwei Tage dauert und normalerweise keinen Arztbesuch nötig macht, hilft man sich selbst, indem man die Flüssigkeitsverluste durch eine hohe Trinkmenge ausgleicht. Die Flüssigkeitszufuhr ist das A und O, um eine Austrocknung zu verhindern. Sie droht grundsätzlich bei Säugligen unter sechs Monaten mit Durchfall oder bei Kindern, wenn sie mehr als acht wässrige Durchfälle in den letzten 24 Stunden produziert und / oder mehr als viermal in den letzten 24 Stunden erbrochen haben. Auch ältere Menschen sind unter diesen Bedingungen mindestens so sehr gefährdet, da sie ohnehin zur Austrocknung neigen oder begleitende Krankheiten haben.
Je nach Befinden kann es sinnvoll sein, vorübergehend auf feste Nahrung zu verzichten oder Schonkost zu wählen. Auch wenn Durchfall und Erbrechen die Lust aufs Essen verderben: Gerade Kinder sollten nicht lange pausieren. Gut geeignet ist eine leichte, fettarme Kost: Zwieback, geriebener Apfel, pürierte Banane, Salzstangen oder Reis. Für ansonsten gesunde Erwachsene gilt eine Flüssigkeitszufuhr von drei Litern pro Tag als Richtgröße. Säuglinge und Kinder sollten täglich mindestens 80 bis 150 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht trinken. Optimal sind spezielle Zucker-Elektrolytlösungen aus der Apotheke für Kinder und Erwachsene. Sie helfen, den Salz- und Flüssigkeitsmangel und auch einen leichten Gewichtsverlust auszugleichen, und wirken einer Austrocknung entgegen.
Der Arzt entscheidet auch, ob beispielsweise Medikamente gegen den Durchfall und Begleitsymptome wie Übelkeit und Brechreiz oder Bauchschmerzen eingesetzt werden sollen. Bei ausgeprägten Bauchkrämpfen beispielsweise kommen krampflösende Mittel wie Butylscopolamin in Frage. Mittel, die den Durchfall stoppen sollen, etwa Loperamid, verhindern auch die Ausscheidung von Erregern. Das ist aber eigentlich eine Art Selbstheilungsmechanismus des Körpers bei einer Infektion. Daher sind Medikamente gegen Durchfall allenfalls kurzfristig geeignet, zum Beispiel auf Flugreisen. Es dürfen aber weder Fieber noch blutige Stühle vorliegen. Bei schweren Verläufen oder wenn ausreichendes Trinken nicht gewährleistet ist, muss die Flüssigkeit über die Blutbahn zugeführt werden. Im Zweifelsfall den Arzt hinzuziehen (siehe oben, Austrocknung) – eventuell muss der Patient ja in eine Klinik eingewiesen werden. Manchmal geht es auch nicht ohne ein Antibiotikum.

Chronische Diarrhoe
Chronischer Durchfall hängt mit vielen verschiedenen, mitunter ernsthaften Krankheiten zusammen. Natürlich beginnt auch eine chronische Durchfallerkrankung irgendwann einmal mehr oder weniger akut. Die Symptome treten hier jedoch über mehr als zwei bis vier Wochen, wiederholt oder in Schüben auf. Zwischendurch können sie wieder abklingen. Eine chronisch entzündliche Darmerkrankung wie die Colitis ulcerosa kann eine akute Darminfektion nachahmen, sodass zunächst an einen Erreger als Auslöser gedacht wird. In anderen Fällen sind die Darmbeschwerden womöglich eine Frage der Ernährung (Laktose- Fruktoseintoleranz) und bessern sich, wenn etwa Milch oder Früchte von der Speisekarte gestrichen werden. Brot und Brötchen, Kekse und Müsli, Nudeln, Pizza  und das Bier können Durchfälle auslösen. Dies kann auf eine Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) hinweisen. Aber das bedarf natürlich der Klärung. Eine Diarrhö, die chronisch auftritt, ist mehr als nur eine lästige Unregelmäßigkeit. Denn als beständige Verdauungs- und Ernährungsstörung kann sie schwere Folgen für die Gesundheit haben. Daher muss der Ursache (es gibt über 50 verschiedene Gründe) auf jeden Fall nachgegangen werden. Dazu sind Stuhl- und Blutuntersuchungen, eine Darmspiegelung, manchmal auch spezielle Stoffwechseltests und weitere Analysen notwendig.

Wie wird chronischer Durchfall behandelt?
Chronischer Durchfall erfordert immer eine möglichst ursachenbezogene Therapie. So kann eine Diät helfen, bei der Nahrungsmittel oder Nahrungsbestandteile, die ein Patient nicht verträgt oder gegen die er allergisch ist, weggelassen beziehungsweise durch bekömmliche Lebensmittel ersetzt werden. Paradebeispiel dafür ist die glutenfreie Ernährung bei Zöliakie. Auch Umstellungen beim Gebrauch von Abführmitteln oder anderen Medikamenten in Absprache mit dem Arzt können der Schlüssel zum Erfolg sein.
Abhängig von der Diagnose gibt es viele weitere Therapieoptionen. Nur zwei Beispiele: Bei einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung wird eine Behandlung mit Entzündungshemmern oder mit speziellen Medikamenten durchgeführt, die das Immunsystem herunterfahren. Bei einer Krebserkrankung kann je nach Stadium eine umfassende Therapie einschließlich Operation notwendig sein.